Abhängigkeit von Öl und Gas: Budgetrede liefert richtige Diagnose, aber schwache Therapie
10. Juni, 2026
Finanzminister Marterbauer hat richtig erkannt, dass Österreichs Abhängigkeit von Öl und Gas die größte Gefahr für den Wohlstand im Land ist. Doch die in der Budgetrede angekündigten Maßnahmen passen nicht zur vermittelten Dringlichkeit. Statt der kommenden Senkung des Fördersatzes beim Heizkesseltausch fordert Austria Solar eine Erhöhung des Förderbudgets sowie ergänzende ordnungspolitische Maßnahmen.
Auf große Worte folgte Ernüchterung. Als Finanzminister Markus Marterbauer zu Beginn seiner heutigen Budgetrede die Abkehr von Öl und Gas mehr als jede andere Maßnahme als Schlüssel zum Ausweg aus der Krise hervorhob, ließ das auf ein wirksames Handeln der Regierung bei der Energiewende hoffen. Die angekündigten Maßnahmen bleiben jedoch hinter diesem Anspruch zurück.
„Die Abhängigkeit von fossiler Energie macht Österreich verwundbar, teuer und instabil. Die Menschen in Österreich spüren diese Belastung momentan wieder stark. Gerade jetzt müsste daher der Umstieg auf erneuerbare Wärme beschleunigt werden, statt ihn durch geringere Förderanreize zu verschleppen,“ kommentiert Austria Solar Geschäftsführer Roger Hackstock.
Senkung des Fördersatzes beim Heizkesseltausch ist falsches Signal
Besonders kritisch ist die angekündigte Reduktion des Fördersatzes beim Heizkesseltausch, der den Ersatz eines alten fossilen Kessels gegen ein sauberes erneuerbares Heizsystem unterstützt. Teil davon ist auch der 2.500 Euro-Solarbonus, den alle erhalten, die beim Heizungstausch eine Solarwärme-Anlage einbauen. Laut Budgetrede soll der Investitionszuschuss künftig zwar fortgeführt werden, der Fördersatz wird jedoch von derzeit 30 Prozent auf 20 Prozent gesenkt – ein denkbar falsches Signal während der Energiekrise.
„Wenn die Bundesregierung selbst sagt, dass die fossile Abhängigkeit das Grundproblem ist, dann darf der Heizkesseltausch nicht weniger attraktiv werden“, so Hackstock. „Statt den Fördersatz zu senken, müsste das Gesamtbudget erhöht werden. Jeder ersetzte Öl- oder Gaskessel senkt dauerhaft die Abhängigkeit von Importenergie und schützt Haushalte vor künftigen Preisschocks.“
Ordnungspolitische Maßnahmen nicht nur erwähnen, sondern umsetzen
Erheblich ungenutztes Potenzial in der Wärmewende gibt es bei ordnungspolitischen Maßnahmen, die Finanzminister Marterbauer nur nebenbei erwähnt, ohne konkrete Schritte zu setzen. Doch genau in Zeiten knapper Budgets sind sie ein kluger und günstiger Weg, um Österreichs Haushalte rasch von der fossilen Abhängigkeit zu befreien. „Klare Regeln, verbindliche Standards und planbare Vorgaben können Investitionen auslösen, ohne den Staatshaushalt dauerhaft zu belasten,“ so Hackstock. Eindeutige Vorgaben für den Ausstieg aus Öl- und Gasheizungen sowie Vorrang von Solarwärme bei der ab 2027 kommenden Solarpflicht wären sinnvolle Maßnahmen, die die Wärmewende voranbringen würden, ohne das Budget zu strapazieren.
Solarwärme mit großem Potenzial
Die erst kürzlich vom Klima- und Energiefonds veröffentlichte Studie zu Österreichs Energiepotenzialen bis 2040 bescheinigt der Solarwärme eine entscheidende Rolle in Österreichs Wärmewende. Mit den richtigen Maßnahmen könnten bis dahin 18 % des Wärmebedarfs mit Solarwärme gedeckt werden. „Auf dem Weg zu unserer Befreiung von Öl und Gas muss die Solarwärme das Fundament sein, denn sie liefert jahrzehntelang saubere Wärme zu einem fixen Preis,“ fordert Hackstock.
Sanierungsoffensive: 2.500 Euro Solarbonus ist zurück!
3. Oktober, 2025
Der Solarbonus ist wieder da! Er ist Teil der Kesseltauschförderung der heute von Umweltminister Norbert Totschnig angekündigten Sanierungsoffensive, der Neuauflage der Förderaktion “Raus aus Öl und Gas”, welche Ende 2024 beendet wurde. Während die Förderquoten für Wärmepumpe, Fernwärme und Holzheizung drastisch gekürzt wurden, bleibt die Förderung für Solarwärme gleich. Weiterhin gibt es den Solarbonus mit einem fixen Betrag von 2.500 Euro.
Die neue Sanierungsoffensive setzt somit ein klares Zeichen für die Sonne, Klima und die heimische Wirtschaft. Beim Betrieb einer Solaranlage werden weder Treibhausgase wie CO₂ noch umwelt- und gesundheitsschädliche Luftschadstoffe wie Feinstaub oder Stickoxide ausgestoßen. Für die Herstellung der Kollektoren sind keine seltenen (oft aus fragwürdigen Quellen stammenden) Rohstoffe nötig und die Wertschöpfung findet zu 75 % in Österreich statt, was lange, CO₂-intensive Transportwege vermeidet. Nachdem die Kollektoren jahrzehntelang saubere Energie geliefert haben, lassen sie sich außerdem hervorragend recyclen.
2.500 Euro für Private
Für Ein- und Zweifamilienhäuser gilt:2.500 Euro erhalten alle zusätzlich, die im Zuge der Kesseltauschförderung auch eine Solarwärme-Anlage installieren. Für den Tausch eines alten fossilen Kessels gegen ein neues, mit erneuerbarer Energie betriebenes, Heizsystem beträgt die Förderquote bis zu 30 % und ist je nach Heizsystem auch durch einen Maximalbetrag begrenzt:
Klimafreundliche oder hocheffiziente Nah-/Fernwärme: max. 6.500 Euro
Wärmepumpe (Luft-Wasser, Wasser-Wasser, Sole-Wasser): max. 7.500 Euro
Holzzentralheizung (Pellets/Hackgut/Stückgut): max. 8.500 Euro
Außerdem gibt es einen Bonus von 5.000 Euro für Tiefenbohrungen beziehungsweise Brunnen (nur bei Sole-Wasser- und Wasser-Wasser-Wärmepumpen).
Der 2.500 Euro Solarbonus kommt jeweils oben drauf, es sind also – je nach Heizungssystem – Gesamtfördersummen von bis zu 15.000 Euro möglich.
Neben dem gleichzeitigen Einbau eines erneuerbaren Heizsystems sind eine Kollektorfläche von mind. 6 m² und die Auszeichnung der Kollektoren mit dem Austria Solar Gütesiegel oder vergleichbaren Zertifikaten weitere Voraussetzungen für die Förderung einer thermischen Solaranlage.
Besonders attraktive Förderung im mehrgeschossigen Wohnbau
Im Bereich des mehrgeschossigen Wohnbaus gelten andere Fördersätze. Hier werden Solarwärme-Anlagen mit 400 Euro/m²Kollektorfläche gefördert. Für die anderen Heizungssysteme gelten ebenso 30 % als Maximalfördersatz und dieselben Maximalbeträge, die sich aber für jedes kW über 50 kW um 100 Euro erhöhen.
Insbesondere in Verbindung mit den jeweiligen Landesförderungen ist es jetzt sehr lukrativ, im mehrgeschossigen Wohnbau auf Solarwärme zu setzen.
Solarwärme liefert saubere Wärme und macht unabhängig
Durch den Einbau einer thermischen Solaranlage können Haushalte ihre Energie-Abhängigkeit von unsicheren Förderländern verringern und, eine einfache Solaranlage für Warmwasser ist in einem Tag montiert und liefert von Mai bis September komplett die Energie, auch im Winterhalbjahr reduziert sie den Gasverbrauch. Die anfängliche Investition amortisiert sich somit schon nach wenigen Jahren.
Für die schnelle Suche nach einem geeigneten Installateurbetrieb hat Austria Solar die Solarinstallateur Suche eingerichtet. Dort kann durch Eingabe der eigenen PLZ schnell ein Installateur mit Solarwärme-Expertise gefunden werden.
Wärmewende muss wieder Fahrt aufnehmen
Die Wiederaufnahme der Kesseltauschförderung war dringend notwendig. In Österreich müssen immer noch 1,3 Mio. Kessel mit Öl und Gas ersetzt werden. Zuletzt stand die Wärmewende durch den Wegfall der Förderungen still, worauf Austria Solar wiederholt aufmerksam machte. Denn Haushalte erhielten keine Unterstützung und Betriebe keine Aufträge, wodurch die Erreichung der Klimaziele in Gefahr geriet. Zuletzt forderte auch der Runde Tisch der Wärmewirtschaft in einem offenen Brief (von Austria Solar mitunterzeichnet) die rasche Umsetzung der Wärmewende. Mit der neuen Sanierungsoffensive kehrt jedoch die Planungssicherheit – wie sie etwa kürzlich der Dachverband Energie-Klima der WKO forderte – wieder zurück.
Insgesamt stehen für die Sanierungsoffensive, die neben dem Kesseltausch auch noch den Sanierungsbonus beinhaltet, 360 Millionen Euro bis Ende 2026 zur Verfügung. Für die Jahre 2027-2030 steht der gleiche jährliche Geldbetrag zur Verfügung, insgesamt können bis 2030 also 1,8 Milliarden Euro abgeholt werden. Gefördert werden Lieferungen und Leistungen ab 3. Oktober 2025, Anträge können ab November gestellt werden.
Der Verband der Solarwärmebranche feierte heuer sein 25-jähriges Jubiläum. Neben einem Rückblick auf die wichtigsten Erfolge der Vergangenheit und prominenten Gastbeiträgen gab es auch einen Blick in die Zukunft – auf die Branche warten große Aufgaben.
Am 18. Dezember fanden sich dutzende Vertreter und Vertreterinnen der Solarwärme, darunter viele Pioniere, zu einer stimmungsvollen Feier im WIFI Salzburg ein, um das 25-jährige Bestehen des Branchenverbandes Austria Solar zu feiern. „Vor 25 Jahren war die Branche bei weitem nicht so geeint wie heute, jeder agierte für sich, es gab wenig miteinander“, schilderte Langzeit-Obmann Robert Kanduth. Mit der Gründung des Verbandes im Jahr 1999 wurde eine Plattform geschaffen, der sich immer mehr Firmen anschlossen und die schon bald zum Sprachrohr der Branche wurde, bei der Politik ebenso wie bei Medien. Den Höhepunkt bildeten ein Technologieprogramm Solarwärme 2004 bis 2009, das mit über einer Million Euro aus Bundesmittel gefördert wurde, sowie das Großanlagenprogramm des Klimaministeriums mit 45 Millionen Förderung in den Jahren 2021 und 2022.
V.l.n.r.: Arthur Sief (SIKO), Christof Sief (SIKO), Reinhard Pasterk (Sonnenkraft), Joachim Kalkgruber (Solarfocus), Ronald Gattringer (Gasokol), Robert Kanduth (GREENoneTEC), Hubert Fechner (TPPV), Erwin Gattringer (Gasokol), Leo Riebenbauer (Ingenieurbüro Riebenbauer), Christian Fink (AEE INTEC) und Werner Weiß (AEE INTEC)
Prominente Gratulantinnen und ein positiver Ausblick
In einer Videobotschaft gratulierte Klimaministerin Leonore Gewessler der Branche und betonte, dass große Aufgaben auf sie warten, um die Wärmewende in vollem Umfang zu verwirklichen. Zur Jubiläumsfeier war auch Sabine Mitter von der Innovationssektion des Klimaministeriums angereist, die einen Rückblick auf die jahrelange enge Kooperation bei Forschungsfragen warf und das künftige Entwicklungspotenzial betonte, das noch in der Solarwärmetechnik schlummert. Die Geschäftsführerin des Europäischen Solarwärmeverbandes Solar Heat Europe, Valérie Séjourné, gratulierte per Videobotschaft aus Brüssel und meinte, wenn ganz Europa die Solardichte von Österreich hätte, wären wir der Klimaneutralität ein bedeutendes Stück näher. Bereits 340.000 Solaranlagen in ganz Österreich liefern täglich warmes Wasser von der Sonne, was hunderte Millionen Euro an Energieimporten spart. Ein Rückblick des Solarpioniers Werner Weiß – der bis zu den Anfängen der Solarwärme im 19. Jahrhundert reichte – und ein kritischer Blick auf die Entwicklung der Solartechnik der letzten 25 Jahre vom Solarsachverständigen Harald Wagner rundeten das Festprogramm ab.
Schon in den letzten Wochen trafen zahlreiche Glückwünsche von Mitgliedern und Wegbegleitern ein, die auf der Verbandshomepage gesammelt zu finden sind. Zum Abschluss der Feier warf der neu gewählte Obmann Ronald Gattringer einen Blick in die Zukunft, die große Potenziale aber auch Herausforderungen verspricht, die es mit Mut und Innovation zu bewältigen gilt. „Die Zeit der Solarwärme kommt erst“, ist er überzeugt. Die gute Stimmung bei der Jubiläumsfeier gab jedenfalls Anlass zur Hoffnung, dass die Zukunft einen erneuten Aufschwung am Markt bringen wird.
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