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REN21 Bericht: Fortschritte bei Strom, aber großer Aufholbedarf bei Wärme, Kälte und Verkehr

22. Juni, 2020

Der Renewables 2020 Global Status Report (GSR) von REN21 ist kürzlich erschienen und zeigt, dass der Ausbau von Erneuerbaren Energien weiter verstärkt werden muss. Zwar gibt es so wie in den vorigen Jahren große Fortschritte beim Ausbau von erneuerbarer Stromversorgung, doch um die Energiewende zu schaffen reicht das bei Weitem nicht, solange fossile Brennstoffe in Wärme, Kälte und Verkehr nicht ebenso rasch durch Erneuerbare ersetzt werden. Dazu kommt, dass der steigende Energieverbrauch die Fortschritte im Bereich Strom wieder mindert.

„Im Bereich des erneuerbaren Stroms berichten wir Jahr für Jahr einen Erfolg nach dem anderen. Tatsächlich hat erneuerbare Stromerzeugung fantastische Fortschritte gemacht und schlägt alle anderen Energiequellen in puncto Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Viele nationale und globale Organisationen brechen bereits in Jubel aus. Aber unser Bericht sendet eine deutliche Warnung: Die Fortschritte in der Stromerzeugung sind nur ein kleiner Teil des Gesamtbildes. Und sie werden von der stetig steigenden Energienachfrage verschlungen. Wir müssen das gesamte Energiesystem umstellen, sonst machen wir uns selbst etwas vor“, sagt Rana Adib, Geschäftsführerin von REN21. Der Bericht zeigt, dass in den Bereichen Wärme, Kälte und Verkehr die Hindernisse nochimmer fast die gleichen sind wie vor 10 Jahren. „Wir müssen komplett aufhören, fossile Brennstoffe zu nutzen, um unsere Häuser zu heizen und unsere Autos anzutreiben“, so Adib.

Auch die Corona-Pandemie, die Berechnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge zu einem Rückgang der energiebedingten CO2-Emissionen von bis zu 8 % im Jahr 2020 führt, wird langfristig kein Trostpflaster sein. Denn 2019 waren die Emissionen so hoch wie nie zuvor, und der Rückgang ist nur vorübergehend. Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, müsste in den nächsten zehn Jahren ein jährlicher Rückgang von mindestens 7,6 % aufrechterhalten werden. Dazu Adib: „Selbst wenn die Lock-Downs noch ein ganzes Jahrzehnt andauerten, würde der Rückgang nicht ausreichen. Beim derzeitigen Tempo, im derzeitigen System und unter den derzeitigen Marktregeln würde die Welt ewig brauchen, um auch nur annähernd an ein CO2-freies Energiesystem heranzukommen.“

Der Bericht weist darauf hin, dass „grüne“ Konjunkturmaßnahmen, wie z.B. Investitionen in erneuerbare Energien und Gebäudeeffizienz, kosteneffizienter sind, als herkömmliche Konjunkturmaßnahmen und mehr Ertrag abwerfen. Er dokumentiert auch, dass erneuerbare Energien zur Schaffung von Arbeitsplätzen, zur Beschleunigung des Energiezugangs in Entwicklungsländern, zur Verringerung von Emissionen und zu weniger Luftverschmutzung beitragen. Wie Investitionen in den Ausbau der Solarwärme sich positiv auf Wirtschaft und Klima auswirken, hat der Verband Austria Solar dazu in seiner Solarinitiative 20▸50 veranschaulicht.

Die positiven Effekte eines „Klima-Konjunkturpakets“ stehen im Kontrast zu den wahren Kosten für fossile Brennstoffe, die auf 5,2 Billionen US-Dollar geschätzt werden, wenn man die Kosten für negative Auswirkungen wie Luftverschmutzung, Folgen des Klimawandels und Verkehrsstaus einbezieht. Erneuerbare Energiesysteme hingegen unterstützen Energieunabhängigkeit und Demokratie. Sie kommen den Menschen und Gemeinden statt den großen Produzenten und Verbrauchern fossiler Brennstoffe zugute. „Wenn wir Geld zur Wiederbelebung der Konjunktur ausgeben, müssen wir entscheiden: Wollen wir ein Energiesystem, das nur einigen dient, oder eines, das vielen dient“, sagt Adib. „Letztlich gehtes aber nicht nur um Geld. Wir müssen jede Art der Unterstützung der fossilen Wirtschaft beenden, insbesondere in den Sektoren Wärme, Kälte und Verkehr. Die Staaten müssen die Marktbedingungen und -regeln radikal ändern und die gleiche Führungsstärke übernehmen, die sie in der Coronakrise bewiesen haben.“

Alles zum aktuellen REN21 Bericht

Mehr Aktuelles aus der Branche

Solar Heat Worldwide-Bericht 2020 veröffentlicht!

8. Juni, 2020

Das Solar Heating and Cooling Programme der Internationalen Energieagentur (IEA SHC) stellte kürzlich den Solar Heat Worldwide-Bericht 2020 vor, der die Entwicklungen am weltweiten Solarwärme-Markt im Jahr 2019 zeigt. Für die Branche gibt es Grund zur Freude: Der Anteil der Solarwärme bei der Fernwärmeerzeugung steigt weltweit. In Dänemark wuchs dieser Markt 2019 um 170 %, und auch andere Länder wie China oder Deutschland verzeichneten hier eine positive Entwicklung aufgrund von verbesserter Wettbewerbsfähigkeit. Auch die steigende Nachfrage nach industriellen und landwirtschaftlichen Anwendungen hat den Markt für Solarthermie befeuert. Während Warmwasserbereitungssysteme für Privathaushalte, der größte Marktsektor, in China und Mitteleuropa durch konkurrierende Technologien unter Druck gerieten, stiegen die Verkäufe in Südafrika, Griechenland, Zypern und Brasilien in diesem Segment erheblich. Insgesamt verzeichnete der Markt weltweit zwar einen Rückgang von ca. 6 %, was aber hauptsächlich mit der sinkenden Zahl neuer Kollektoranlagen um etwa 8 % in China zu begründen ist. Auf der anderen Seite meldeten neben Dänemark weitere große Solarthermiemärkte wie Zypern, Südafrika, Griechenland, Tunesien und Brasilien deutliche Wachstumsraten.

Diagramm Wachstumsraten Solarwärme 2019 aus dem Solar Heat Worldwide-Bericht 2020
Positive Wachstumsraten in einigen der größten Solarwärme-Märkte | Quelle: IEA SHC

„Die Solarthermiebranche erlebt herausfordernde Zeiten, aber es ist wichtig anzumerken, dass dies hauptsächlich auf Rückgänge auf dem chinesischen Markt zurückzuführen ist“, erklärt Daniel Mugnier, Vorsitzender des IEA-SHC-Programms. „Trotz dieses Trends verzeichnet die Solarthermie in zwei Schlüsselsektoren – Fernwärme und industrielle Prozesse – ein stetiges Wachstum. Darüber hinaus tragen solare Heiz- und Kühltechnologien erheblich zum Klimaschutz bei.“ 2019 waren weltweit SHC-Systeme mit einer Gesamtleistung von 479 GWth (684 Mio. m²) in Betrieb. Diese sparten 41,9 Millionen Tonnen Öläquivalent und vermieden 135,1 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen.

Kleine Solarthermie-Systeme

Systeme, die Warmwasser und Heizwärme in privaten und öffentlichen Gebäuden sowie in Hotels und Krankenhäusern bereitstellen, machen rund 60 % der neu installierten Systeme aus. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Tatsache, dass ein signifikantes Marktwachstum meist nur in den Ländern zu verzeichnen war, in denen kleine Systeme (insbesondere Thermosiphonsystemen) dominieren. Die Studie Solar Heat Worldwide zeigt, dass nationale Sozialwohnungsprogramme verbunden mit der Installation solarer Warmwassersysteme die Marktentwicklung äußerst positiv beeinflussen.

Große Solarthermie-Systeme

Megawatt-Installationen sind auf dem Vormarsch. Mindestens 74 neue Großanlagen (> 350 kWth) wurden 2019 in Betrieb genommen, um Fernwärmenetze und große Gebäude mit Wärme zu versorgen. Angeschlossen an Fernwärmenetze und Wohngebäude waren Ende 2019 rund 400 große Solarthermie-Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 1,62 GWth oder 2,3 Mio. m². Außerdem wurden weltweit bis Anfang 2020 mehr als 800 solare Prozesswärmeanlagen mit einer Kollektorfläche von 1 Millionen m² installiert.

Wärme und Strom vom selben Dach

Zum zweiten Mal führte Solar Heat Worldwide eine Marktstudie unter Herstellern von Photovoltaik-Thermie-Kollektoren (PVT) durch. Ein PVT-System ist insofern ungewöhnlich, als es die Erzeugung beider Arten von Solarenergie – Sonnenwärme und Solarstrom – kombiniert und auf diese Weise höhere Erträge pro Fläche erzielt. Diese Anwendung ist besonders wertvoll, wenn die verfügbare Dachfläche begrenzt ist, jedoch eine klimaneutrale Energieversorgung für das Gebäude gewünscht wird.

Der PVT-Markt gewinnt in mehreren europäischen Ländern an Dynamik. 58 % der weltweit installierten Anlagen befinden sich derzeit in Europa, davon 41 % in Frankreich. Asien ohne China folgt mit 24 % der Installationen und China mit 11 %. Die weltweite PVT-Gesamtkapazität erreichte Ende 2019 606 MWth und 208 MWpeak, eine Steigerung von 9 % gegenüber Ende 2018.

Copyright Beitragsbild: Ecotherm

Solar Heat Worldwide 2020 (vollständiger Bericht)

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